Fragen und Antworten (FAQ)

  • Was heißt Zwangsexmatrikulation?

    Man wird gegen seinen Willen von der Uni geschmissen.

    Im Detail: Eine Zwangsexmatrikulation bedeutet, dass Studierende gegen ihren Willen zum Studienabbruch gezwungen werden, z.B. weil Fristen, innerhalb derer man das Studium abgeschlossen haben muss, bestehen.

  • Welche Fristen bestehen? Wer ist betroffen?

    Betroffen sind alle Lehramtsstudierende, die den Abschluss Staatsexamen anstreben, oder sich in einem Modellstudiengang befinden. Dies sind in NRW mehr als 9000 Studierende. Ihnen droht, je nach angestrebtem Lehramt, zum Oktober 2016 oder Oktober 2017 die Zwangsexmatrikulation.

    Im Detail: Die Lehramtsstudiengänge wurden in NRW 2011 auf Bachelor/Master umgestellt. Deshalb sollen die bisherigen Staatsexamensstudiengänge und die Bachelor/Master-Modelllehramtsstudiengänge zum Ende des Sommersemesters 2016 (Grund-, Haupt-, Realschule) bzw. 2017 (alle anderen Schulformen) auslaufen. Alle Kommiliton*innen, die dann noch in diesen Studiengängen studieren, sollen zwangsexmatrikuliert werden. Ein Wechsel in die regulären Bachelor-Lehramtsstudiengänge ist aus unterschiedlichen Gründen nicht sinnvoll (siehe Frage: Warum ist der Wechsel in den Bachelor nicht sinnvoll?).

    Allein an der Universität Köln sind derzeit über 6.000 Studierende von der Regelung betroffen, an der Universität Siegen ca. 3.000.

  • Warum sind die Fristen ein Problem?

    Den Fristen ist der Mensch egal. Jedes Individuum und jedes Schicksal wird gleichbehandelt. Sie sorgen für permanenten Druck und machen ein kritisches und reflektiertes Studium unmöglich.

    Im Detail: Sie drängen alle Studierenden dazu, im Einzelkämpfermodus Prüfungen zu absolvieren statt die Welt verstehen zu lernen, um sie nach humanen und demokratischen Maßstab zu verändern. Die Fristen beschränken die Zeit zum Diskutieren und kritischen Reflektieren maßgeblich, erzeugen Prüfungsängste und schränken die Persönlichkeitsentwicklung ein.

    Laut aktuellem Studierendensurvey des Bundesbildungsministeriums ist der Anspruch von Studierenden, mit dem Studium die „Gesellschaft [zu] verbessern“, in den letzten 12 Jahren um 17 % auf 43% gestiegen (12. Studierendensurvey, S. 95.). Ähnliche Ansprüche werden auch im neuen NRW-Hochschulgesetz artikuliert: Die Hochschulen sollen zur Realisierung „einer nachhaltigen, friedlichen und demokratischen Welt“ (§3, Abs.6) beitragen.

    Die Fristen laufen genau diesen positiven Ansprüchen zuwider.

  • Warum ist ein ausführliches Studium sinnvoll?

    Werden Veranstaltungen nur abgearbeitet, um Scheine/Punkte zu sammeln, bleibt kein Raum um Inhalte kritisch zu hinterfragen. Das Studium muss auf die Bildung zu Mündigkeit ausgerichtet sein und Freude bereiten.

    Im Detail: Wer ohne Zeitdruck studiert, hat wesentlich bessere Möglichkeiten, interessegeleitet und kooperativ zu lernen, sich an Veranstaltungen über den vorgegebenen Studienplan hinaus zu beteiligen, Inhalte kritisch zu hinterfragen und sich in Hochschule und Gesellschaft für humane Verbesserungen zu engagieren.

    In der Spezifik muss ein Lehramtsstudium den späteren Lehrer*innen ermöglichen, die Schüler*innen bei ihrer Entwicklung zu mündigen Demokrat*innen zu unterstützen. Dafür muss das Studium selbst auf die Bildung zu Mündigkeit ausgerichtet sein und Freude bereiten statt dass der Anpassungsdruck an Fristen und das Auswendiglernen von Inhalten, um schnellstmöglich Prüfungen zu bestehen, dominant sind.

  • Warum sind die Fristen sozial selektiv?

    Den Fristen ist der Mensch egal. Jedes Individuum und jedes Schicksal wird gleichbehandelt. Sie bedeuten zudem das Gegenteil der sozialen Öffnung des Bildungssystems.

    Im Detail: Die Fristen bedeuten das Gegenteil der sozialen Öffnung des Bildungssystems: Durch die Fristen werden Kommiliton*innen, die aus unterschiedlichen Gründen (z.B. Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, chronische Krankheiten, Lohnarbeit) nicht in Vollzeit studieren, systematisch benachteiligt. Studierende, die beispielsweise 20 Stunden in der Woche arbeiten oder arbeiten müssen, da sie keinen Anspruch mehr auf Bafög haben bzw. sich nicht verschulden wollen, können nicht in Vollzeit studieren. So widersprechen die Fristen auch dem im neuen NRW-Hochschulgesetz explizierten Anspruch, das Teilzeitstudium zu fördern.

  • Warum ist der Wechsel in den Bachelor nicht sinnvoll?

    Viele bereits erbrachte Leistungen sind wertlos. Außerdem werden bestimmte Fächerkombinationen gar nicht angeboten. Ein Wechsel bedeutet eine Zurückstufung: Es muss eine Bachelorarbeit zusätzlich geschrieben und das Masterstudium inklusive unbezahltem Praxissemester muss absolviert werden. Dabei ist unklar, ob überhaupt genug Masterplätze zur Verfügung stehen werden.

    Im Detail: Unabhängig davon, wie weit jemand im Studium fortgeschritten ist (auch wenn nur noch wenige Abschlussprüfungen zu absolvieren sind), wird er/sie in einen Bachelor zurückgestuft. Eine Bachelorarbeit muss zusätzlich geschrieben und das Masterstudium inklusive Praxissemester absolviert werden. Dabei ist unklar, ob hinreichend Masterplätze zur Verfügung stehen werden – ohne Masterabschluss ist keine Lehrertätigkeit möglich. Durch erheblich differierende Studienordnungen werden sehr viele Scheine nicht anerkannt werden können und zusätzliche Scheine und Prüfungen müssen absolviert werden. Zudem können einige Fächerkombinationen im Bachelor/Master-Lehramtsstudium nicht mehr studiert werden, da eines oder beide Studienfächer, welche man auf Staatsexamen studieren konnte, im Bachelor nicht mehr angeboten werden. Beispielsweise im Grundschullehramt konnte bisher zwischen Deutsch und Mathematik als einem der Unterrichtsfächer gewählt werden, nun sind beide obligatorisch. Das Studium eines dritten Fachs oder das Studium zur Befähigung für eine zusätzliche Schulform sind im Bachelorstudium – anders als im Staatsexamen – nicht mehr möglich. Diese Teile des Studiums (und das damit zusammenhängende Anliegen) müssten bei einem Wechsel aufgegeben werden. Voraussichtlich werden – wie dies die Erfahrungen mit den auslaufenden Diplom- und Magisterstudiengänge gezeigt haben – wegen der Fristen einige Kommiliton*innen ihr Studium abbrechen.

  • Warum setzen wir uns für die Abschaffung ein statt für die Verlängerung der Fristen?

    Eine Fristverlängerung verschiebt die Probleme nur, statt sie zu lösen.

    Im Detail: Wenn die Fristen nur verlängert werden, sind die genannten Probleme nicht gelöst, sondern nur verschoben. Zwangsexmatrikulationen sind nicht ausgeschlossen und der Anpassungs-, Zeit- und Konkurrenzdruck ist nicht aufgehoben.

  • Warum reichen Härtefallregelungen nicht aus?

    Härtefallregelungen lösen das Problem nicht. Sie bedeuten neue, verschärfte Abhängigkeitsverhältnisse der Studierenden gegenüber den Uni-Stellen.

    Im Detail: Insbesondere Härtefallregelungen reichen nicht aus, weil damit alle Studierenden weiterhin angehalten werden, sich den für alle aufreibenden Paukanforderungen zu unterwerfen. Bei einem Härtefallantrag muss man individuell beweisen, dass man „paukwillig“ ist, aber aus unverschuldeten Umständen mehr Zeit braucht. Statt dass also bestmögliche Lernbedingungen für alle geschaffen werden, sollen sich die Einzelnen an den nahegelegten, unproduktiven Hopp-Hopp-Modus anpassen und in sich selbst das Problem sehen.

    Im Zweifel muss eine Krankheitsgeschichte gegenüber Uni-Stellen offengelegt werden, was gegen Persönlichkeitsrechte verstößt. Zudem bedeuten Härtefallregelungen neue, verschärfte Abhängigkeitsverhältnisse der Studierenden gegenüber den Uni-Stellen. Auch für die Kolleg*innen, die über Härtefälle entscheiden, ist eine solche Tätigkeit keine erfreuliche Arbeit.

  • Wer kann die Kampagne unterschreiben?

    Alle.

    Im Detail: Alle, die das Anliegen richtig finden. Die Unterzeichner*innen müssen weder Studierende oder Hochschulmitglieder noch aus NRW sein. Also: Verbreitet die Unterschriftenkampagne unter Kommiliton*innen, Dozent*innen, Lehrer*innen, Freund*innen, Eltern, Bekannten – auch über NRW hinaus!

  • Was kann ich tun?

    Weitersagen, Unterschriften sammeln, jede Hilfe zählt!

    Im Detail: Um die Aktivitäten gegen die angedrohten Zwangsexmatrikulationen zu befördern, ist es bedeutsam, mit der Unterschriftenkampagne zu sammeln und dafür Kommiliton*nnen, Dozent*innen, Eltern, Bekannte etc. anzusprechen. Man kann sich auch über das Kontaktformular bei uns melden – möglicherweise kennen wir Kommiliton*innen oder Mitarbeiter*innen an deiner/Ihrer Hochschule, die sich ebenfalls engagieren möchten.

  • Wo kann ich mich weiter informieren?

    www.LPO2003info.de / www.fristen-kippen.de

    Im Detail: Weitere Informationen findet ihr/ finden Sie in der Rubrik „Presse/Publikationen“ und auf der Homepage der NRW-weiten Aktion: fristen-kippen.de