Broschüre zum Zwischenstand der Auseinandersetzung

PDF-Version

Inhalt:

• Fristen 1 Jahr verlängert
• 1 Jahr Verlängerung reicht nicht!
• Fragen und Antworten
• Jetzt nachlegen!

Fristen um 1 Jahr verlängert:

Durch die Proteste wurden die engen Auslauffristen im Lehramt Staatsexamen nun um ein Jahr verlängert. Der Brief vom Schulministerium an die Landesprüfungsämter vom Oktober 2015 ist unter Fristen-kippen.de/kontroverse einsehbar.
Prüfungen können somit einerseits doch so gelegt werden, dass es für Einzelne passt und andererseits können Prüfungen, die jetzt noch zu viel sind, abgesagt werden, um nicht den Totalprüfungsmarathon durchziehen zu müssen!

Aber: 1 Jahr Verlängerung reicht nicht!

Den Fristen ist der Mensch egal. Jedes Individuum und jedes Schicksal wird gleichbehandelt. Sie sorgen für permanenten Druck und machen ein kritisches und reflektiertes Studium unmöglich. Angesichts unserer Forderungen und Ansprüche an das Lehramtsstudium ist diese viel zu kurze Verlängerung der Fristen durch die Landesregierung unverantwortlich! Die Probleme werden dadurch nur verschoben statt gelöst!

Fragen und Antworten

Welche Fristen bestehen und wer ist betroffen?
Betroffen sind alle Lehramtsstudierende, die den Abschluss Staatsexamen anstreben, oder sich in einem Modellstudiengang befinden. Dies sind in NRW mehr als 13.000 Studierende. Aktuell ist der Stand der Auseinandersetzung, dass alle Kommiliton*innen bis zum SoSe 2017 bzw. 2018 ihr Studium beenden oder in den Bachelor wechseln müssen. Dies entspricht, ab dem letztmaligen Studienbeginn, lediglich 13 bzw. 15 Semester, bevor sie zwangsexmatrikuliert werden. Dermaßen restriktive Regelungen hat es in den vergangenen Jahrzehnten in NRW nirgendwo gegeben.
Zum Vergleich: Den letzten Studieren-den, die sich in die Lehramtsstudiengänge nach dem Vorgängermodell (LPO 94) eingeschrieben hatten, wurden 21 Semester eingeräumt.

Der Mythos Regelstudienzeit
Die Regelstudienzeit entspricht selten der meist längeren durchschnittlichen Studienzeit. Bei der Regelstudienzeit wird von einem Vollzeitstudium (ca. 40 Stunden pro Woche) unter idealisierten Bedingungen ausgegangen, die in der Praxis häufig nicht gegeben sind. Der häufigste Grund für das Überschreiten der Regelstudienzeit ist, neben dem individuellen Lerntempo, insbesondere die Notwendigkeit eines Nebenjobs zur Finanzierung des Studiums und des Lebens (15 – 30 Stunden pro Woche).

Entwicklung zur (Un-)Mündigkeit?
Um die Entwicklung von freien und autonomen Menschen, die politisch partizipieren, sich selbst und ihre Umwelt reflektieren und ihr Leben verantwortlich gestalten, zu ermöglichen, müssen die Fristen abgeschafft werden. Wenn es je-doch lediglich das höchste Ziel sein soll, innerhalb gesetzter Grenzen regelkonform Inhalte stupide und unreflektiert abzustudieren, darf man sich nicht wundern, wenn Schüler*innen später in gleicher Manier unterrichtet werden. Das Lehramtsstudium muss ein meinungsbildendes und kritikförderndes Studium sein – und somit auch ohne Auslauffristen!

Fristen sind sozial selektiv – Hochschule als Schule der Ökonomie?
Auslauffristen bedeuten das Gegenteil der sozialen Öffnung des Bildungssystems: Durch die Fristen werden Kommiliton*innen, die aus unterschiedlichen Gründen (z.B. Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, chronische Krankheiten, Lohnarbeit) nicht in Vollzeit studieren, systematisch benachteiligt. Der Druck der Auslauffristen sorgt zudem, je nach Fach, für eine Ellenbogenatmosphäre – das Gegenteil einer förderlichen Hochschulkultur: Kommiliton*innen werden dazu gedrängt, sich als Konkurrenten*innen im Streit um rare Prüfungs- und Seminarplätze wahrzunehmen, statt sich als Mitstreiter*innen für die Gestaltung einer demokratischen und menschenwürdigen Gesellschaft zu sehen.

Warum ist ein Wechsel in den Bachelor nicht sinnvoll?
Viele bereits erbrachte Leistungen sind wertlos. Außerdem werden bestimmte Fächerkombinationen gar nicht angeboten. Ein (un-)freiwilliger Wechsel bedeutet eine Zurückstufung: Es muss eine Bachelorarbeit zusätzlich geschrieben und das Masterstudium inklusive unbezahltem Praxissemester muss absolviert werden.

Warum reichen Härtefallregelungen nicht aus?
Härtefallregelungen bedeuten neue, verschärfte Abhängigkeitsverhältnisse der Studierenden gegenüber den Verwaltungsstellen. Bei einem Härtefallantrag muss man nachweisen, dass man aus unverschuldeten Umständen mehr Zeit braucht. Anstatt dass also bestmögliche Lernbedingungen für alle geschaffen werden, sollen sich die Einzelnen an den unproduktiven Durchlauferhitzer-Modus anpassen und in sich selbst das Problem sehen.

Warum Abschaffung statt Verlängerung der Fristen?
Wenn die Fristen nur verlängert werden, sind die genannten Probleme nicht gelöst, sondern nur verschoben. Zwangsexmatrikulationen sind nicht ausgeschlossen und der Anpassungs-, Zeit- und Konkurrenzdruck ist nicht aufgehoben.

Jetzt nachlegen!

Es ist ein absolutes MUSS, dass die bildungsfeindlichen Fristen abgeschafft und substantielle Verbesserungen, wie ein bezahltes Praxissemester, in den Bachelor-/Masterstudiengängen erreicht werden.
Abarbeiten von Modulen und die Jagd nach CreditPoints müssen durch die Möglichkeit einer interesseorientierten Wahl der Studieninhalte ersetzt werden!
Das angekündigte Jahr Verlängerung zeigt deutlich:
Wir können etwas verändern!
Jetzt kommt es erst recht darauf an, mit unseren Ansprüchen und unserer Kritik nachzulegen!

Bündnispartner*innen

campus: grün NRW, GEW Studis Bund, fzs – freier zusammenschluss von studentInnenschaften, AStA der Universität Paderborn, AStA der Universität Duisburg-Essen, AStA der Walter-Krämer-Universität Siegen, AStA der Deutschen Sporthochschule Köln, StuPa der Deutschen Sporthochschule Köln, StuPa der Walter-Krämer-Universität Siegen, Die Linke.SDS Paderborn, JuSo HSG Siegen, Gesamt Linke Liste Universität Siegen, SDS.Die Linke Siegen, StuPa der Universität zu Köln, FSR GG LaBaMa der Walter-Krämer-Universität Siegen, Der Fakultätsrat der Math.-Nat.-Fakultät der Universität zu Köln, 7.2 Fachschaft Lehramt an der RWTH-Aachen, Fachschaft Lehramt der Universität Bielefeld, Fachschaft Lehramt Grundschule Universität Duisburg-Essen, Studierendenvertretung der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln, Fachschaft Lehramt Grund-, Haupt- und Realschule Universität Münster, Fachschaft Lehramt Universität zu Köln, Fachschaft Lehramt Universität Paderborn, Fachschaftsrat Grund-, Haupt- und Realschule an der Universität Siegen, Die Fachschaften Mathe, Physik, Chemie, Physikdidaktik, Geographie, Geowissenschaften der Universität zu Köln, Wo*Men autonomes Frauenreferat Universität Siegen, Queer@Uni, Grün alternatives Wahlbündnis, Siegen Asozial, LiLi Siegen, Das Landeslehramtsfachschaftentreffen NRW vom 2. April 2015

PDF-Version

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.